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Die sanfte Einführung in virtuelle Ausbildung Thomas Dietinger1, Christian Gütl2,
Hermann Maurer3, Maja Pivec4
Schlüsselwörter:Tele-learning, Web based training, Hyperwave Zusammenfassung:
Seit mehreren Jahrzehnten versuchen Wissenschaft und Industrie mit nur mäßigem Erfolg herkömmliche Ausbildungsmethoden durch den Einsatz von Computern (z.B: CBT - computer based training) effizienter zu gestalten oder gar zu ersetzen. Die Ursache für das Scheitern ist darin zu suchen, daß es sowohl auf Seiten der Unterrichtenden bzw. der Kursautoren als auch der Unterrichteten Akzeptanzprobleme bei der Anwendung dieser Systeme gibt. In frühen Jahren war sicher das Fehlen ausreichender technischer Rahmenbedingungen verantwortlich dafür, doch auch in Zeiten kostengünstiger Hochleistungs-PCs und weltweiter Vernetzung bleibt den computergestützten Ausbildungssystemen bisher der große Durchbruch verwehrt. Ein Hauptgrund ist, daß ein brauchbarer Einsatz eine zeitaufwendige und meist sehr komplexe Vorbereitung (Erstellung von Kursmaterial etc.) und Einarbeitung in die Benutzung des Systems, sowohl für Lehrer als auch für Schüler voraussetzt und trotzdem nicht den gewünschten Erfolg auf Seite der Auszubildenden bringt, da auf deren unterschiedliche Bedürfnisse, wie Lerntypen, Lernverhalten, Wissensstand, Begabung etc. zu wenig eingegangen werden kann. Wir haben uns deshalb 1997 entschlossen, mit der Entwicklung eines netzwerkbasierenden
(Internet/Intranet) Ausbildungssystems zu beginnen, das diese Probleme
durch verschiedene Maßnahmen zu entschärfen versucht, welche
im nächsten Kapitel genauer dargestellt werden.
Das Ziel unserer Entwicklung ist ein System zu schaffen, das sich in
bestehende Umgebungen und Abläufe, sowohl in schulischen Einrichtungen
(Universitäten, Erwachsenenbildung etc.), als auch in anderen Bereichen
(z.B. Intranet einer Firma) sehr gut integrieren läßt und so
einen sanften und stufenweisen Einstieg in neue Computer - unterstützte
Lehr- und Lernmethoden erlaubt. Darüber hinaus muß das System
auch deutliche Vorteile und Erleichterungen gegenüber der traditionellen
Arbeitsweise anbieten, um von einer breiten Benutzerschicht akzeptiert
zu werden. Es ergeben sich aus diesen Überlegungen, daß zumindest
den folgenden Punkten Beachtung geschenkt werden muß, weshalb sie
auch zentraler Bestandteil von GENTLE [3][4] sind.
Um maximale Flexibilität zur gewährleisten basiert das System auf dem bewährtem Client-Server Konzept des WWW. Auf Seiten der Benutzer ist nur ein Java/JavaScript fähiger Web-Client wie z.B. Netscape 4.x oder Internet Explorer 4.x notwendig. Da in der Regel bereits ein Web Browser auf dem PC eines Benutzers vorhanden ist, reduzieren sich durch die vertraute Anwendung die Berührungsängste, außerdem hält sich der administrative Aufwand in Grenzen, da Konfigurationänderungen in der Regel nur Server-seitig durchgeführt werden müssen. Das GENTLE-System basiert auf einen Hyperwave Information Server [10][11], der auch für die gängigsten Server Betriebsysteme (verschiedene UNIX Varianten, Windows NT) erhältlich ist und somit breite Einsetzbarkeit sichert. Ein weiteres wichtiges Designkonzept ist die strikte Trennung zwischen
Daten, Funktionalität und Benutzerinterface. Diese drei Komponenten
werden bei jedem Abruf von Seiten dynamisch und den jeweiligen Randbedingungen
entsprechend (z.B. Benutzereinstellungen, Netzwerkbandbreite etc.) am Server
zusammengefügt. Diese Tatsache erleichtert auch besonders die Integration
und Anpassung des Systems in bestehende Infrastrukturen, weil z.B. das
Benutzerinterface unabhängig von den Daten und der Funktionalität
abgeändert werden kann. Um auch schlechte Netzwerkanbindungen zu unterstützen
können Kurse mit eingeschränkter Funktionalität automatisch
(ohne Änderung des Kursinhaltes etc.) auch offline (CDROM) angeboten
werden.
Ein wesentliches Problem herkömmlicher (z.B. CDROM basierender) CBT Systeme stellt die Isolation der Benutzer dar. Treten während des Lernens Probleme oder Fragen auf, können sie von einem isolierten System, sofern nicht vorhergesehen und dadurch vorbereitet, keine Hilfestellung erwarten. Das Resultat ist üblicherweise Frustration und reduzierte Lerneffizienz. Es ist deshalb unumgänglich, daß ein gutes Lehr/Lernsystem die Kommunikation und Zusammenarbeit von Benutzer (Schüler, Lehrer etc.) untereinander unterstützt. Man unterscheidet hierfür prinzipiell zwei Arten:
Asynchron bedeutet, daß die Benutzer nicht nur orts- sondern auch zeitunabhängig miteinander kommunizieren können und somit maximale Flexibilität gegeben ist. GENTLE unterstützt hierfür traditionelle EMail (falls bereits vorhanden), ein besser in das System integriertes EMail-ähnliches Messaging-System (vor allem zum Senden von Mitteilungen vom System, oder den Lehrern, an die Schüler), hierarchische Diskussions-Foren mit umfangreicher Funktionalität und einem leistungsfähigen Annotationsmechanismus.
Annotation sind Bemerkungen, die ein Benutzer an beliebiger Stelle auf
oder innerhalb eines Dokumentes anbringen kann. Bemerkungen können
entweder privat (nur der Benutzer, der die Annotation geschrieben hat,
kann sie sehen) oder öffentlich sein (als Hinweis, auch für andere,
z.B. eine Lerngruppe, oder eine ganzen Klasse), außerdem werden verschiedene
Typen unterstützt. So kann z.B. dieser Mechanismus auch dazu verwendet
werden, um Fragen zu unklaren Passagen im Kursmaterial anzubringen: dies
wird durch entsprechende Icons und farblicher Hinterlegung gekennzeichnet.
Wird eine Frage gestellt, erhält der zuständige Betreuer eine
Nachricht (über EMail oder das Messaging-System) und wird zur Beantwortung
aufgefordert. Nach der Beantwortung erhält wiederum der Benutzer,
der die Frage gestellt hat, die Benachrichtigung, daß sie nun beantwortet
ist. Daraufhin ändert sich auch die Art des Icons auf der Seite, damit
andere Benutzer wissen, daß sich zu dieser Passage eine beantwortete
Frage befindet. Diese und noch weitere Annotationstypen, wie z.B. wichtige
Erläuterung/Beispiel vom Betreuer, bewirken eine ständige Erweiterung
und Verbesserung des Kursmaterials und dienen auch als Qualitätsindikator
(zu viele Fragen weisen auf unklare Formulierungen oder besonders großes
Interesses an noch mehr Information hin).
Von besonderer Bedeutung ist, daß die verschiedenen Kommunikationstechniken
sehr gut untereinander und mit dem Kursmaterial, Übungsaufgaben etc.
verknüpft werden müssen, da nur so die Benutzer intensiv davon
Gebrauch machen und somit das Gefühl der Isolation effizient bekämpft
werden kann.
Die Bereitstellung umfangreicher Hintergrundbibliotheken" dient zur Erweiterung des Wissenshorizonts und zur Verringerung des sogenannten Tunnel-Syndroms", das entsteht, wenn man beim Lernen zu sehr durch eindimensionale Lehrinhalte eingeschränkt wird [8][5]. Es gibt in GENTLE zwei Arten von Bibliotheken:
Ein Grund warum viele Massenlehrveranstaltungen und auch CBT Programme
unpersönlich wirken ist, daß zu wenig auf das einzelne Individuum
eingegangen werden kann: es wird der Lehrinhalt und die Art des Vermittelns
(Lehrmethoden, -geschwindigkeit etc.) an einen Durchschnittsschüler
angepaßt, in der Hoffnung, damit für eine möglichst breite
Schicht eine gute Lösung anzubieten. Um die Akzeptanz zu steigern
ist es deshalb unbedingt erforderlich, daß ein Lernsystem sich auf
die Bedürfnisse der Benutzer einstellen läßt. Diese kann
zum Beispiel durch einfache Maßnahmen wie individuelle Gestaltungsmöglichkeit
der Benutzeroberfläche, oder Anpassung der Darstellung des Lehrinhaltes
an die Hardware und Softwarevoraussetzungen des PCs (Geschwindigkeit, Bandbreite
der Netzwerkverbindung, multimediale Darstellungsmöglichkeiten etc.)
erfolgen. Wesentlich interessanter, aber auch komplexer ist die Adaptierung
des Kursmaterials an den Wissensstand, die Auffassungsgabe oder den Lerntypus
des Benutzers. Ein wesentlicher Punkt dabei ist, daß das System automatisch
eine Vorauswahl der Möglichkeiten trifft, damit der Lernende nicht
durch eine unnötige Komplexität verwirrt und überfordert
ist. Eine Bereitstellung von z.B. zu vielen Querverweisen innerhalb des
Kursmaterials, ohne Sicherstellung, ob die Ziele der Verweise innerhalb
des geforderten Lehr- und Interessenpfades [1][6] liegen und das notwendige
Wissen zum Verständnis bereits vorhanden ist, würde zu dem Lost-in-Hyperspace-Syndrom"
führen, wie es auch schon vom Surfen im Internet bekannt ist.
Ein an sich gutes Lernsystem kann aber trotzdem an fehlender Akzeptanz scheitern, weil es aufgrund seiner großen Komplexität zu schwierig zu administrieren und zu unhandlich für die Lehre zu nutzen ist. Es bedarf deshalb immer auch leistungsstarker Hilfswerkzeuge zur Erstellung und Verwaltung von Lehrinhalten, Bibliotheken, Kommunikationsfunktionen und Benutzerdaten. Ein möglichst automatisierter Zugang und hochgradige Flexibilität sind weitere Eigenschaften, welche die Akzeptanz auf Seiten der Ausbildner und Kursautoren erhöhen. GENTLE stellt deshalb eine umfangreich Palette von sogenannten Wizards" (Assistenten) und Editoren zur Verfügung, die z.B. das Einrichten eines neuen Kurses mit Basisfunktionalität auf einen kurzen Frage/Antwort Dialog zwischen System und Kursautor reduzieren. Vielfältige Vorlagen erleichtern die Erstellung neuer Kursseiten und leistungsstarke Funktionen dienen zur Abwicklung von Verwaltungsabläufen von der Anmeldung eines neuen Studenten inklusive Unterstützung von Vergebührung, über die Verfolgung seines Lernerfolges bis hin zur Abschlußprüfung und Notenverwaltung. Eine mögliche Erweiterung ist die automatisierte Karriereplanung, indem das System z.B. einem Studenten bestimmte Kurse und Ausbildungsziele aufgrund seiner Begabung, seines angestrebten Einsatzgebietes oder seines Studienzweiges vorschlägt.
Thomas, Dietinger, Dipl.-Ing.
Christian, Gütl, Dipl.-Ing.
Hermann, Maurer, o.Univ.Prof. Dr. Dr.h.c.
Maja, Pivec, BSc., MSc.
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