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Virtual Communities sind zur Zeit das Schlagwort im World Wide Web. Jedes
größere Unternehmen, jeder ISP2.5,
aber auch kleinere Unternehmen versuchen, sich in Form einer Community im WWW
zu etablieren. Das große Problem dabei ist, für die Kunden und neuen
potentiellen Mitglieder der Community ein attraktives Angebot an Unterhaltung,
Information und in weiterer Folge auch (E-)Commerce zur Verfügung zu stellen.
Dass diese Anforderungen nicht immer sehr leicht zu erfüllen sind, kann man an
dem Verkaufsportal ,,The Boo``2.6 sehen. The Boo
ist zwar nicht eine Community im herkömmlichen Sinn, da gewisse Strukturen und
Dienste nicht, oder noch nicht, angeboten werden (zum Beispiel ein Chatroom),
es sollte sich aber zu einer solchen entwickeln.
The Boo startete mit einer sehr innovativen Idee eines E-Shops für Bekleidung,
bei der man interaktiv seine Kleidung an 3D-Versionen von virtuellen
Kleiderpuppen ansehen konnte. Die Gestaltung und das Konzept der Seite war sehr
vielversprechend, jedoch scheiterte diese Idee an der technischen Realisierung.
Der Seitenaufbau war immens langsam und die anfängliche Begeisterung der Kunden
schwand sehr schnell durch die sehr langen Wartezeiten beim Aufrufen der
verschiedenen Funktionen der Seite. Zur Zeit der Erstellung dieser Arbeit wird
The Boo gerade neu aufgebaut und man darf gespannt sein, ob und wie die
Verbesserungen aussehen werden. [Cassy2000]
Ein weiteres Beispiel für eine Community mit starken Startschwierigkeiten ist
die von Apple ins Leben gerufene ,,E-World``. Bob Oswell und Kevin Savetz,
zwei Betatester von E-World bescheinigten in [Oswell et al.1994] dieser Community gute
Zukunftsaussichten und waren über die dort gebotenen Möglichkeiten, wie zum
Beispiel direkter technischer Support von Apple für Mitglieder von E-World,
begeistert, erwähnten aber in ihrem Bericht bereits damals, dass die
Mitgliederzahl nicht allzu groß war (im April 1994 waren es etwa 4000). Eine
Hoffnung war zu dieser Zeit noch die Möglichkeit, dass wenn die Community ,,
live`` geht, also offiziell eröffnet wird, sich die Mitgliederzahl stark
erhöhen wird. Diese Hoffnung erfüllte sich aber nicht und so wurde E-World im
Netz bald unter dem Synonym ,,leere Welt`` bekannt. Im März 1996 kam dann
das endgültige aus für E-World. Der Grund für dieses schnelle Ende war, dass
E-World nur ca. 120.000 Mitglieder gewinnen konnte, wohingegen zum Beispiel
America Online zur selben Zeit bereits über 3 millionen Mitglieder hatte.
E-World war zwar leicht zu bedienen, da es aber proprietär für Apple-User
ausgelegt war und der Marktanteil zu dieser Zeit an Apple-Rechnern nur etwa 9%
betrug, war das Interesse an E-World nur gering gegeben. Dieses Beispiel zeigt
sehr gut, dass ein großes Angebot und ein großer Konzern im Hintergrund den
Erfolg einer Community nicht garantieren. Der Erfolg einer Community hängt
hauptsächlich von ihrer Akzeptanz bei den Besuchern
ab. [Fliegel1996][Levy1994]
Ein Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung eines Community-Konzepts ist ,,
The WELL``2.7. The WELL wurde bereits im Jahre 1985 von Stewart Brand
und Larry Brilliant als Diskussionsplattform für die weitgehend
unabhängigen Schreiber und Leser von ,,Whole Earth Review``, einem
Hard-Copy-Magazin, gegründet. 1985 war diese Idee revolutionär, da das Internet
in seiner heutigen Form noch bei weitem nicht existierte und
Online-Kommunikation nur von einem sehr eingeschränkten Kreis an Leuten
akzeptiert und auch genutzt wurde. Auch waren die technischen Voraussetzungen
damals noch nicht für eine breite Nutzung gegeben. The WELL startete 1985
seinen Betrieb mit einer VAX750 und einer geringen Anzahl an Modems.
Datenübertragungen mit einer Geschwindigkeit von 1200 bit/s über herkömmliche
Telefonleitungen waren damals das obere Ende und daher war ein Betrieb mit
Diensten, wie sie bei heutigen Communities im WWW angeboten werden, nicht
möglich. Die VAX sollte einen gleichzeitigen Betrieb von 40 Usern ermöglichen.
Praktisch waren aber nur bis zu 8 gleichzeitige User-Sessions möglich, so dass
noch ein sinnvoller Betrieb aufrecht erhalten werden konnte. Der Beginn von The
WELL bestand aus einer kleinen Anzahl von Diskussionsforen, in denen sich
anfangs nur ein paar Dutzend Teilnehmer unterhielten. Bis 1993 war die
Teilnehmerzahl bereits auf über 8000 angestiegen. The WELL war und ist nicht
kostenlos, sondern die Mitgliedschaft wird für eine Flat-Rate angeboten. Zu
Beginn wurde aber der Zugang für Journalisten, Wissenschaftler und andere
attraktive Diskussionspartner gratis angeboten, um die Foren für zukünftige
Mitglieder interessant zu machen. Ein Konzept, das beim Aufbau einer neuen
Community noch immer aktuell ist und berücksichtigt werden
soll. [Rickard1995]
The WELL startete im Mai 1994 seine Website und veränderte sich dadurch von
einem reinen BBS2.8 zu einer Virtual
Community, wie sie heute im WWW zahlreich vorhanden sind. Durch diese
Veränderung wurde The WELL einer noch breiteren Öffentlichkeit zugänglich und
mit dem rasanten Siegeszug des WWW, das für viele als Synonym für das Internet
steht, wuchs auch The WELL noch weiter an. Für seine Mitglieder hat The WELL
seit seiner Gründung 1985 nichts an Attraktivität verloren und kann daher seine
Stellung als erfolgreiche Community behaupten. In der Literatur wird The WELL
sehr oft als die erste richtige Community bezeichnet und hat daher schon einen
leicht mystischen Charakter bekommen. [THE WELL]
An den aufgezeigten Beispielen kann man sehr gut erkennen, dass für den Erfolg
und die Etablierung einer Community hauptsächlich die Akzeptanz der
(potentiellen) Mitglieder der Community ausschlaggebend ist. Bei E-World wären
die technischen Voraussetzungen und die betrieblichen Hintergründe für eine
große Vermarktung der Community gegeben gewesen, jedoch kam dieses Konzept
bei den Besuchern der Seite nicht an und daher scheiterte diese Community
schon nach relativ kurzer Zeit. The WELL hingegen setzte von Anfang an auf
Inhalte und attraktive Informationen, die Mitglieder sonst nur sehr schwer
erhalten konnten und die durch die Teilnahme von einem ausgewählten
Personenkreis an den Diskussionen noch interessanter gemacht wurden. Das ist
auch nach 15 Jahren an unterschiedlichen Versuchen, Communities zu etablieren,
das bei weitem erfolgreichste Konzept. [Hagel et al.1999]
Hagel und Armstrong beschreiben in ihrer Arbeit die Mitgliederentwicklung in
vier Stufen, wobei die ersten beiden das Grundkonzept von The WELL
wiederspiegeln. Die gewählte Formulierung zeigt, dass die vier Stufen
Schlagworte darstellen, welche im E-Commerce-Bereich sehr oft anzutreffen
sind und für Betreiber von Communities Meilensteine sind. [Hagel et al.1999]:
- Locke Mitglieder an
Das erfolgt durch gezieltes Marketing und attraktivem Inhalt in der
Community. Weiters sollten keine Mitglieds- und Benutzungsgebühren
anfallen.2.9
- Fördere die Beteiligung
Rege Mitglieder zur Erstellung eigener Inhalte an, biete Veröffentlichtes,
Herausgebermaterial und Gastredner.
- Baue Loyalität auf
Bilde Beziehungen zwischen Mitgliedern, Beziehungen zwischen Mitgliedern und
dem Host der Community und fördere kundenspezifische Interaktion.
- Fahre Profit ein
Nehme Geschäftsmöglichkeiten war, biete gezielte Werbung und hebe Gebühren
für Sonderdienste ein.
Der erste Punkt stellt für kapitalträchtige Konzerne mit einem genügend
großen Werbebudget kein Problem dar. Man kann sich auch teure Werbemittel, wie
zum Beispiel Fernsehzeit, leisten. Die Werbung über die Massenmedien ist
zur Zeit noch der beste Weg, eine breite Masse an Leuten anzusprechen und
potentiellen Kunden ein Produkt schmackhaft zu machen. [Hagel et al.1999] Ein Beispiel
für eine solche Werbestrategie stellen Yahoo2.10 oder
Lycos2.11 dar, die sich vom Image reiner
Suchmaschinen immer mehr in Richtung Community entwickeln und bereits
entwickelt haben. Durch Werbeminuten bei verschiedenen Fernsehsendern wird
versucht, immer mehr Besucher auf ihre Seiten zu locken. Eine ähnliche
Strategie verfolgte Web.de2.12 mit ganzseitigen
Werbeeinschaltungen in Zeitungen und auf Plakaten. Solche Werbemaßnahmen sind
natürlich sehr kostspielig und daher für kleinere Unternehmungen und Einsteiger
in diesen Bereich nicht machbar. Günstigere Werbefläche gibt es im Internet
selbst. Banner auf diversen Seiten, am besten gut besuchte, Beiträge und
Hinweise auf neue Communities in Diskussionsforen und natürlich ,,
Mundpropaganda`` sind auch für Einsteiger mit einem geringen Werbebudget
verwirklichbar.[Hagel et al.1999] Eine Strategie, die bei vielen Usern im Internet
negative Reaktionen hervorrufen, sind Werbeeinschaltungen in Newsgroups oder
Werbe-Emails. Oftmals wird eine solche Aktion schon als Spamming bewertet, da
der User entgegen seinem Willen mit Information versorgt wird in einem Bereich,
wo er diese nicht erwartet. Man kann damit zwar eine breite Masse an Leuten
erreichen, schreckt diese aber eher davor ab, die beworbene Seite zu besuchen
und in weiterer Folge der Community beizutreten. [Hagel et al.1999]
Ein ganz wichtiger Aspekt in Punkt eins der Mitgliederentwicklung ist, dass man
die Community, auch wenn für eine spätere Vollmitgliedschaft Gebühren anfallen,
diese zuerst einmal gebührenfrei testen kann. Einstiegsgebühren, ohne den
Inhalt und die Struktur einer Community zu kennen, würden auch viele User
abschrecken. [Hagel et al.1999]
Die erste Phase geht unmittelbar in die Phase zwei über: Die Mitglieder dazu
animieren, aktiv an der Community teilzunehmen und selbst Inhalte zu
produzieren. Je mehr sich ein Mitglied an der Community beteiligt, um so länger
bleibt er in dieser und umso leichter ist es für den Betreiber der Community,
ein persönliches Profil anzulegen, was in weiterer Folge sehr wichtig ist.
Dieser Aspekt wird später noch im Kapitel 3 genauer behandelt. [Hagel et al.1999]
In der dritten Phase geht es darum, den Besucher zum Dauergast zu machen und
Ausstiegsbarrieren zu errichten, damit es immer schwieriger wird, die Community
zu verlassen. Ein wichtiger Schritt dabei ist, dass Mitglieder untereinander
soziale Bindungen eingehen. Weiters ist auch wichtig, dass gegenüber der
Community eine Bindung entsteht und die Mitglieder sich in der Commmunity
verwurzeln. Mechanismen dafür sind zum Beispiel die Personalisierung von
Inhalten, oder die persönliche Betreuung in bestimmten Bereichen. Das muß nicht
unbedingt durch fest Angestellte Mitarbeiter der Community erfolgen, sondern
kann auch durch Mitglieder erfolgen, die einen Sonderstatus innerhalb der
Community einnehmen. [Hagel et al.1999]
Der vierte Punkt betrifft nur kommerziell orientierte Communities: Profit
machen. Bis man als Betreiber einer Community an Profit denken kann, muß man
die ersten drei Schritte der Mitgliederentwicklung vollständig durchlaufen
haben und die Community muß sich im Internet etabliert haben. Haben die
Mitglieder der Community gegenüber erst einmal Loyalität entwickelt und sind
genügend genaue Profile der einzelnen Mitglieder entwickelt worden, so kann der
Betreiber damit beginnen, gezielte Werbung zu machen und mittels
CRM2.13 die Kunden mit
Angeboten aus seinem E-Commerce-Bereich oder dem befreundeter Unternehmen zu
versorgen. Je weniger Information dabei enthalten ist, die nicht auf die
Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten ist, desto stärker wird die Bindung an die
Community werden. Zufriedene Kunden sind in weiterer Folge gute
Werbeträger. [Hagel et al.1999]
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